Völlig unnötiger Rückschlag im Abstiegskampf

Völlig unnötiger Rückschlag im Abstiegskampf

30. April 2019 WSC I 1

Die Startphase des wichtigen Rigi-Derbys glich einem nervösen Beschnuppern zweier junger Hunde und brachte kaum nennenswerte Aktionen hervor. Ab Mitte der zweiten Halbzeit schaffte es das Heimteam aber, sich die Oberhand über das Spiel zu erarbeiten. Nach 26 Minuten war es dann auch gleich soweit und Livio Küttel schoss seine Farben nach einer schönen Kombination in Führung. Damit hatte er Blut geleckt und war auch in den nächsten Minuten an allen gefährlichen Aktionen beteiligt. Zweimal sah er seinen Schuss nur knapp am Tor vorbeizischen. Kurz vor der Pause dann der nächste Aufreger: Küssnachts Torhüter stürmte aus dem Tor und wehrte den – wiederum von Livio Küttel – versuchten Heber mit der Hand ausserhalb des Strafraums ab. Folgerichtig wurde er des Feldes verwiesen, der anschliessende Freistoss blieb jedoch in der Mauer hängen. So ging es mit einem 1:0 in die Pause.

Auch die erste Hälfte der zweiten 45 Minuten gehörte dem Heimteam, welches den Ball mehrheitlich in den eigenen Reihen hielt, aber vorerst kaum zu Chancen kam. Das änderte sich in der 57. Minute, als Jannik Ernst nach einer Freistossflanke frei am Elfmeterpunkt auftauchte und den Ball problemlos zum 2:0 im Tor versenkte. Zehn Minuten später landete ein Schuss des eingewechselten Nicolas Eyer am Innenpfosten. Die Weggiser hatten nun ihre beste Phase und kamen durch Patrick Hegglin zu zwei weiteren hochklassigen Chancen, welche leider ungenutzt blieben. Kurz darauf wurde ein Tor von Luca Küttel wegen eines Abseits aberkannt. Wer jetzt schon den wichtigen Dreier im Abstiegskampf feierte, freute sich leider zu früh. Eine Viertelstunde vor Schluss setzte ein Küssnachter zu einem schönen Solo durch die Weggiser Hintermannschaft an und schoss den Anschlusstreffer. Wenige Minuten später hiess es nach einem Durcheinander in der Folge eines Eckballs plötzlich 2:2. Das Heimteam war nun aufgepeitscht wie ein angeschossener Löwe und suchte die erneute Führung. Unglaublich aber wahr: auch der Küssnachter Ersatztorhüter wehrte einen Ball ausserhalb des Sechszehners mit der Hand ab und wurde ebenfalls vom Platz gestellt. Doch sowohl der Freistoss als auch eine hochkarätige Chance drei Minuten später blieben ungenutzt. Und so ereignete sich das eigentlich Unfassbare: die Gäste schossen mit einem letzten Konter tief in der Nachspielzeit zu neunt den Siegtreffer und drehten das Spiel…

Statt sich mit einem Sieg von den gröbsten Abstiegssorgen zu befreien, befinden sich die Weggiser nun wieder vollständig im Auge des Orkans namens Abstiegskampf. Die gute Nachricht: Noch immer steht der WSC auf Rang 9 und die Mannschaft ist schon so oft stärker aus einem Rückschlag hervorgegangen. Am Samstag, gastieren die Rigidörfler um 18:00 Uhr in Horw, wo sie den Leader wie schon in der Hinrunde überraschen und mit Punkten im Gepäck den Vierwaldstättersee umrunden wollen. Die Mannschaft freut sich auf möglichst zahlreiche und lautstarke Unterstützung.

Telegramm:

Weggiser SC – FC Küssnacht 2:3 (1:0)

Tore: 26’ Livio Küttel 1:0, 57’ 2:0, 76’ 2:1, 82’ 2:2, 93’ 2:3.

Für Weggis spielten: Jan Bühler; Pedro Almeida, Sandro Buser, Reto Gügler, André Greter (Martin Mundprecht); Flavio Duschan (Ramon Arbia), Luca Küttel, Mauro Mathis, Jannik Ernst, Patrick Hegglin (Joel Gloggner); Livio Küttel (Nicolas Eyer).

One Response

  1. Candy sagt:

    Mit einem gaudeamus igitur endete der letzte Kommentar und wie stimmig wäre es gewesen, das neuste Meisterwerk unseres schmerzlich vermissten jungen Goethes mit eben diesen Worten zu feiern, jedoch, in Anbetracht der Umstände, ergeht es dem Leser wie Doktor Faustus im gleichnamigen Drama: Zwei Seelen schlagen ach in meiner Brust.
    Die Eine jubelt und seufzt voller süssestem Herzschmerzen in Anbetracht der schöpferischen Schönheit der vorliegenden Zeilen, welche uns einmal mehr in fast ekstatische Verzückung versetzen und uns den Schreiber darob bedingungslos lobpreisen lassen wollen.
    Die Andere weiss um den nagenden und bohrenden Schmerz, den unser junge Goethe ob der unbarmherzigen Realität des Erlebten fühlt, und wenn, oder vielmehr gerade weil, er sich auch der wahren Tragweite der vorgefallenen Ereignisse vollauf bewusst ist und diese richtig in grössere Zusammenhänge einordnen kann, sei es doch gestattet zumindest den Moment als Schwarzen und Tragischen zu bezeichnen und Mitleid zu empfinden.

    Zwei Seelen schlagen ach in meiner Brust: Freude versus Trauer, Verzückung versus Mitleid – eine Dualität, die die Emotionen aufs Äusserste dehnt und zwischen deren Extreme sich die Gefühlswelt unaufhörlich bewegt. In diesem irritierenden Auf und Ab bleibt als Konstante die Hoffnung darauf, dass wir weiterhin Anteil haben dürfen an diesen semantischen Geniestreichen aber auch die Hoffnung darauf, dass der Weggisser SC aus diesem Tal der Tränen gestärkt hervor geht und, per aspera ad astra, aus der Wut und der Enttäuschung die Kraft und mentale Stärke zieht um die zwei Seelen in unserer Brust in Freude zu einen.

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